Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
Folge 1424: TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA - Großer Spaß und kleiner Tod
Der erste Eindruck direkt nach dem Kino
18.09.2026 11 min Anke, Marc und Thomas
Ich bewundere Regisseurin Jane Schoenbrun für die unbekümmerte Art, wie sie eine Meta-Slasher-Groteske inszeniert, ohne sich auch nur einen Deut um Genre-Gesetze und Publikumserwartungen zu scheren. Allein schon die ersten Minuten, die Geburt, Ruhm, Ausbreitung, Absturz und Verachtung eines Horror-Franchises im Schnelldurchlauf zeigen, sind eine liebevolle, kreative und sachkundige Hommage und Parodie der großen Slasher-Reihen. Aber Schoenbrun arbeitet sich nicht an diesen Filmen ab – sie zeigt eine ganz eigene Geschichte: Eine Independent-Regisseurin (Hannah Einbinder), die die abgewirtschaftete Camp-Miasma-Slasher-Reihe irgendwie woke, irgendwie frisch, neu starten soll. Aber sie weiß nicht wie – bis sie auf die Hauptdarstellerin bzw. das Final Girl (herausragend als Diva: Gillian Anderson) des ersten Camp Miasma-Films stößt.
Die beiden charismatischen Frauen nähern sich auf verschiedenen Ebenen an. Es entsteht ein faszinierender Reboot mit unerwarteten Wendungen, der schnell die Oberfläche der üblichen Genreparodien hinter sich lässt und irgendwo zwischen Freud und Marx, zwischen Erotik und Blutfontänen dahin geht, wo weder ein Arthouse-Film noch ein Slasher-Film jemals zuvor gewesen ist. Ein richtiger Festivalfilm – und das ist ein Kompliment. Filmwissenschaftler werden sich die Finger wundtippen bei der Analyse von CAMP MIASMA: die queere Anziehung, das Spannungsfeld von Angst, Gefahr, Gewalt und Sexualität, die Abrechnung mit dem Film-Business, der ebenso subtile wie groteske Humor. Viel Stoff zum Nachdenken auf der einen Seite, aber auch einfach ein großer Spaß auf der anderen Seite. Absolut sehenswert. Direkt nach dem Film gut gelaunt am Mikrofon: Anke, Marc und Thomas.
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